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Coronakrise: So wichtig ist der Sport für die Wirtschaft

Sport wird oft als die „wichtigste Nebensache der Welt“ bezeichnet. Und doch ist der Sport aus wirtschaftlicher Sicht viel mehr als das. Ein Gastbeitrag der SportsEconAustria (SpEA).

© Wien Tourismus

Die vom Sport ausgehenden Effekte sind vielfältig und reichen von den direkten und multiplikativen Wertschöpfungs- und Kaufkrafteffekten, über die direkten, indirekten und induzierten Beschäftigungseffekte bis hin zu den quantitativen und qualitativen Impulsen, die vor allem durch Großsportveranstaltungen in einer Region ausgelöst werden. Hinzu kommen die Impulse, die durch aktiven und passiven Sporttourismus im Beherbergungswesen und in der Gastronomie ausgelöst werden. Keinesfalls unberücksichtigt gelassen werden dürfen die gesundheitsökonomischen Effekte, welchen sowohl im Hinblick auf die Gesundheit der Bevölkerung als auch die Produktivität der Betriebe und die weitere Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems besondere Bedeutung zukommt.


Dennoch wird die gesamtwirtschaftliche Bedeutung keines anderen – noch dazu derart dynamisch wachsenden – Wirtschaftszweiges derart unterschätzt wie die des Sports. So ist man lange Zeit bereits beim Versuch, entweder die wirtschaftliche Bedeutung des Sports zu quantifizieren oder einen Vergleich der wirtschaftlichen Bedeutung des Sports mit anderen Wirtschaftszweigen vorzunehmen, gescheitert, bedarf es dazu doch einer soliden, bis vor kurzem aber nicht existenten wirtschaftsstatistischen Datengrundlage und einer einheitlichen Definition des Sports, welche bis 2007 ebenfalls nicht existierte.


Das Problem liegt darin begründet, dass Sport, ebenso wie zum Beispiel der Tourismus, eine sogenannte Querschnittsmaterie darstellt, das heißt sich aus einer Vielzahl von Branchen zusammensetzt. Es besteht somit eine große Diskrepanz zwischen dem allgemeinen Verständnis sportbezogener Aktivitäten und dem in der Wirtschaftsstatistik als „Sport“ erfassten Wert.


Erst mit der Vilnius Definition des Sports im Jahr 2007 wurde die Basis für eine europaweit einheitliche Definition des Sports geschaffen. So unterscheidet man heute zwischen einer Kerndefinition des Sports (das, was in der Statistik als Sport ausgewiesen wird – im Wesentlichen der Betrieb von Sportanlagen, Sportvereine, Fitnesszentren und Sportler), einer engen Definition (alles, was notwendig ist, um Sport treiben zu können, wie zum Beispiel Sportartikelproduktion, -handel, Sportinfrastruktur,…) und einer weiten Definition des Sports (alle Güter und Dienstleistungen mit Sportbezug, wie auch Medien, Beherbergung, Gastronomie, Gesundheitswesen, Spiel-, Wett- und Lotteriewesen).


Abbildung 1: Direkter, indirekter und induzierter Wertschöpfungs- und Beschäftigungsbeitrag des Sports, in Millionen Euro beziehungsweise in Köpfen | Quelle: SpEA, 2019

Folgt man den Ergebnissen der aktuellsten SportsEconAustria-Studie zur ökonomischen Bedeutung des Sports in Österreich, dann zeigt sich, dass der Sport unmittelbar und mittelbar für 5,75 Prozent der Wertschöpfung verantwortlich ist. Damit liegt der Wertschöpfungsbeitrag des Sports höher als jener der Bauwirtschaft oder in etwa doppelt so hoch wie der Beitrag der Finanzdienstleister. Das methodische Instrument, um den gesamtwirtschaftlichen Beitrag der Querschnittsmaterie Sport zu messen, ist ein sogenanntes Satellitenkonto Sport.


Ein detaillierterer Blick auf die Zahlen zeigt, dass es vor allem die Beherbergung und Gastronomie sind, die mit 3,9 Milliarden Euro Wertschöpfung am stärksten vom Sport profitieren, gefolgt vom Unterrichtswesen und dem Einzelhandel. Der Kernbereich des Sports, also die Tätigkeit der Vereine, die Aktivitäten der Profisportler sowie der Betrieb von Sportanlagen liegen mit 920 Millionen Euro nach dem Gesundheitswesen und dem Landverkehr erst an sechster Stelle.


Abbildung 2: Bruttowertschöpfung durch Sport, Top-10-Sektoren | Quelle: SpEA, 2019.

Noch höher als der Wertschöpfungsbeitrag ist der sportbezogene Beschäftigungsanteil mit 7,13 Prozent oder 295.000 Erwerbstätigen. Der Sport schafft und sichert damit gleich viele Arbeitsplätze wie die Sektoren Beherbergung und Gastronomie gemeinsam oder die Bauwirtschaft. Die Zahl der im und durch den Sport Beschäftigten liegt damit höher als die gesamte Einwohnerzahl des Burgenlands.


Erstmals konnte auch der fiskalische Beitrag des Sports quantifiziert werden: Demnach fließen aus dem Sport rund 123 Millionen Euro an Steuern und Abgaben an den Staat zurück, wobei die lohnabhängigen Steuern und Abgaben für rund die Hälfte des Gesamtaufkommens verantwortlich sind. Am stärksten profitieren hier der Bund (41,6 Prozent) und die Sozialversicherungsträger (31,7 Prozent), gefolgt von den Ländern und Gemeinden.


Der Sport schafft gleich viele Arbeitsplätze wie die Sektoren Beherbergung und Gastronomie gemeinsam oder die Bauwirtschaft. | © pixabay

Österreich ist Europameister


Eindrucksvoll sind diese Zahlen auch im europaweiten Vergleich. Ein solcher Vergleich ist möglich, da Definitionen und Methoden heute europaweit harmonisiert sind.


Mit einem direkten Anteil am BIP in Höhe von 4,1 Prozent liegt der Wert in Österreich in etwa doppelt so hoch wie im EU-28-Durchschnitt von 2,12 Prozent und höher als in allen anderen Mitgliedsstaaten der EU. Man kann daher zurecht sagen, dass Österreich Europameister ist, was den wirtschaftlichen Beitrag des Sports anbelangt. Auch hinsichtlich der Beschäftigungseffekte liegt man in Österreich mit einem direkten Anteil von 5,6 Prozent deutlich vor unserem Nachbarn Deutschland mit 4,6 Prozent und dem sportaffinen Großbritannien mit 3,8 Prozent. Zurückzuführen ist dies auf die hohe Bedeutung des Sporttourismus in Österreich: 58 Prozent aller Übernachtungen sind als sportrelevant einzustufen. Sportrelevante Übernachtungen umfassen die aktiven Sporttouristen (Wander-Urlauber, Sport-Aktiv-Urlauber, Alpine Wintersportler, Nordische Wintersportler und Sanften Wintersport) als auch passive Sporttouristen (im Rahmen des Besuchs von Sportveranstaltungen).


»Mit 63 Millionen Übernachtungen pro Jahr auf 172.000 Übernachtungen täglich ist der Sporttourismus in Österreich so stark wie der gesamte Tourismus in Kroatien oder Polen.«

Diese Zahlen sind beachtlich, aber umso beachtlicher, als diese nur jenen ökonomischen Teil des Sports erfassen, welcher auch in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung abgedeckt wird. In diesen Ergebnissen spiegeln sich folglich noch gar nicht alle sportrelevanten Aspekte wider.


Abbildung 3: Direkter Sportanteil am BIP und Beschäftitungseffekte: Die Wirtschaftliche Bedeutung des Sports im EU28-Vergleich. | Quelle: SpEA et al., 2018.

In seiner wirtschaftlichen Dimension in diesen Zahlen nicht abgebildet ist beispielsweise die Bedeutung der Freiwilligenarbeit im Sport, welche in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht berücksichtigt ist, weil der Arbeitsleistung kein Geldfluss gegenübersteht, wodurch keine originäre Bruttowertschöpfung generiert wird. Nichtsdestotrotz hat die Freiwilligenarbeit einen großen wirtschaftlichen Beitrag, welcher auf europäischer Ebene auf 0,88 Prozent des BIPs geschätzt wird. Der Wert der Freiwilligenarbeit übersteigt somit den wirtschaftlichen Beitrag der Vereine, des Betriebs von Sportanlagen sowie der Sportler, Trainer und so weiter um das 2,5-fache!


Ein weiterer wichtiger Aspekt, der in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nur unzureichend – nämlich nur über jene Kosten, die durch Sportunfälle ausgelöst werden - erfasst wird, sind die gesundheitsökonomischen Kosten. Nicht erfasst sind der Nutzen der körperlichen Aktivität in Form nicht verursachter Kosten noch die bereits anfallenden, aber vermeidbaren Kosten körperlicher Inaktivität. So liegen die direkten Kosten im Gesundheitswesen, welche ausschließlich auf körperliche Inaktivität zurückgeführt werden können, bereits heute bei 1,7 Milliarden Euro jährlich. Hinzu kommen indirekte Kosten in Höhe von 750 Millionen Euro, die durch Krankenstände, Invalidität und Mortalität ausgelöst werden, Tendenz steigend vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und zunehmender körperlicher Inaktivität bereits im Kindesalter.


In seiner wirtschaftlichen Dimension in diesen Zahlen nicht abgebildet ist beispielsweise die Bedeutung der Freiwilligenarbeit im Sport. | © pixabay

SportsEconAustria (SpEA)


SportsEconAustria Institut für Sportökonomie wurde im Dezember 2004 auf Initiative des Bundeskanzleramtes, Sektion Sport, in der Rechtsform des gemeinnützigen Vereins gegründet. SpEA positioniert sich als eine hochspezialisierte Einrichtung zum Zweck der Forschung, Lehre und Politikberatung auf dem Gebiet der Sportökonomie. Nähere Infos unter: www.spea.at

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